WEIBSICHT-BLOG

In unserem Weibsicht-Blog, der einmal im Monat erscheint, teilen unsere Mitgliedsfrauen ihr Wissen aus ihren individuellen Geschäftsbereichen. So lernen Sie die ganze Bandbreite unserer Branchen kennen und erfahren mehr über die Frau, die hinter dem Namen steht.

Außerdem wird der Vorstand immer mal wieder zu aktuellen Themen und Veranstaltungen bloggen.

Viel Freude beim Lesen!

Do

03

Nov

2016

Theater, Theater, Theater in der Region

Vorstand der Burgbühne Oberkirch e.V.  Arthur Hilberer und Cornelia Bitsch
Vorstand der Burgbühne Oberkirch e.V. Arthur Hilberer und Cornelia Bitsch

Schon einige Jahre begleitet und beschäftigt mich nicht nur die große klassische, sondern auch die kleine regionale Theaterliteratur, die es in ihrer großen Vielfalt zu pflegen, auf der Bühne zu verwirklichen gilt. Einen besonderen Reiz hinter die Fassaden des Alltags und hinein in die Herzen der Menschen zu blicken, nehmen hierbei zusehends die Stücke ein, die sich mit den eigenen Wurzeln, wo komme ich her?, wo gehöre ich hin?, den Traditionen, dem Brauchtum, der Sprache, sprich Dialekt, der Region und Heimat, den Charakterstärken und Charakterschwächen der jeweiligen Landstriche befassen.

 

Leben wir nicht in einer der schönsten Regionen Deutschlands, in einer von Wald und Wiesen eingebetteten Ursprünglichkeit, deren Menschenschlag es versteht in den Orten, Städten und Gemeinden geschickt und auf elegante Weise Vergangenheit, das heißt Tradition und Brauchtum, und Zukunft, das heißt das begeisterte Zupacken, um Wirtschaftsstandorte und Bildungsstandorte mit entsprechender Infrastruktur zu gestalten, in einer lebenswerten und überaus liebenswerten Gegenwart zu vereinen, zu präsentieren und für unzählige Besucher zu öffnen?

 

Dazu gehört in den Gemeinden in den vergangen Jahren verstärkt das Amateur Theaterspiel, zur Freude der Beteiligten und zur Freude des Publikums im jeweiligen Einzugsgebiet. Schon lange werden Stückeauswahl Stückbesetzung sowie Regie, Choreographie und musikalische Leitung in Hände von Profis gegeben, die mit ihrer jeweiligen Amateurtruppe gute bis sehr gute Ergebnisse erzielen, sprich gute Inszenierungen mit präsenten vielfältigem Spiel darbieten können und somit nachhaltig für die kleinen Standorte, an denen Theater in der Region entstanden sind und entstehen, sorgen können. Dabei spielen auch Mundartstücke der jeweiligen Region eine große Rolle und auch diese erfreuen sich äußerster Beliebtheit, wenn auch mit Einschränkung für nicht hiesiges Publikum, allein der Verständlichkeit wegen.

Denn für Außenstehende wohnen hier im Badener Ländle zum Beispiel die Schwaben, „des muss mer denne halt zunägscht emol nachsähe, mit der Zeit lerne ses dann scho, dass des net so isch.“ Denn hier residieren die Badener, dem alemannischen Sprachgebrauch zugehörig, allerdings ebenso eigenständig und eigenwillig wie die Schwaben, „un des isch nix Schlechtes.“

Manch ein Langweiler z.B. wird im Badischen schnell zur Tranfunzel und gwiss net zur Bähmulle, wie die Schwabe sagen würden, „da muss ma scho grenzüberschreitend Bscheid wisse, sonscht hätt mer glei verlore…“

Ja Baden-Württemberger sind wir alle, aber die viele kleinen und feinen Unterschiede und Spezialitäten die wir uns nie und nimmer nehmen lassen, die machen uns ja mit aus, und geben zudem so herrlichen Stoff zum gegenseitigen Frotzeln. Und ob Spätzle jetzt aus der badischen oder eher aus der schwäbischen Küche kommen, „isch ja so was von egal, nur sinn se bei uns halt französisch anghaucht und des machts dann, un uns dazu, ä bissel feiner, gell?“

 

Der Schwarzwald hat etwas Uriges, zweifelsohne, die Menschen darin viel Bodenständiges, Direktes, Unverblümtes, oft auch etwas scheinbar Herbes, Verschlossenes, gar Brummiges, noch Überbleibsel der Vergangenheit, als die Menschen weit verstreut auf Einzelgehöften auf sich selbst gestellt ihr Leben meistern mussten? Dies ist Geschichte, die nachwirkt, charakterlich prägt. Jedoch wird Gastfreundschaft groß geschrieben, und so findet man auf diesem einladenden Wege herzlich und dauerhaft zusammen. Wer sich interessiert, einbringt, gehört schnell dazu, und wer sich für einen der zahlreichen Vereine und die Vereinskultur begeistern kann, findet noch rascher Anschluss an den Schwarzwälder und seinen Alltag, die Gepflogenheiten, und so blüht im Badischen besonders, mit starken Nachwuchsinteressenten die Vereinskultur des Theaterspielens in großer Vielfalt.

So habe auch ich mich seit Jahren schon neben meiner professionellen Tätigkeit als Regisseurin, Autorin und als Chefin des  kleinen Sommertheaters im Baldreit in Baden-Baden, dem Amateurtheater in der Region mit Leib und Seele verschrieben.

 

Was bedeutet Amateurtheater eigentlich?

Nun, in Deutschland sind vereinsrechtlich organisierte Amateurtheater unter dem Bund Deutscher Amateurtheater und der Bundesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater zusammengefasst. Darüber hinaus gibt es mundartlich orientierte Amateurbühnen und unzählige Kulturpädagogen, Schultheaterpädagogen, Theaterpädagogen, die sich einzelner Projekte und den ausführenden Gruppen annehmen. Die in Amateurtheatern Aktiven betonen gerne die Unterscheidung zum Laienspiel, und meiner Meinung nach zu recht, denn Laien spielen oft um eines Anlasses Willen Theater, zum Beispiel zu einem Fest oder zu Weihnachten, wobei die Amateure ihr Hauptgewicht auf das kontinuierliche Theaterspiel und die Erarbeitung desselben in Körpersprache Gestik, Mimik und Sprachgestaltung legen und möglichst viele Vorstellungen ihres Stückes präsentieren.

Meist ist die Palette der möglichen Stücke groß und behandelt alles, was das Menschsein und das miteinander leben so ausmachen. Werfen wir einen Blick auf die Burgbühne Oberkirch, deren künstlerische Leiterin, Regisseurin und Autorin ich bin.

Eine wunderbar gestaltete Freilichtbühne mit über 200 Plätzen in der Stadtmitte in einem ehemaligen Garten vor einem Stück alter Stadtmauer. Die Bühne wurde im Laufe von 25 Jahren durch Equipment Erweiterung, Ausbau der Zuschauertribüne, An- und Ausbau eines stehenden Grundbühnenbildes mit zig Erweiteruns- und Änderungsmöglichkeiten, zu einem richtig kleinen Schmuckstück im Herzen der Stadt. Die Zuschauer danken es durch regen Zustrom und unsere vielen auswärtigen Zuschauer finden uns leicht! Bei schlechtem Wetter und im Winter spielen wir im Innenhaus, dem ‘s freche hûs, mit „nur“ 100 Plätzen. Unzählige Menschen gehen hier dem sehr intensiven Freizeitvergnügen nach und bewältigen nicht nur Klassiker, Revuen und Musicals sondern auch  alle weiteren Arbeiten, die anfallen. Handwerklich besondere schwierige Umsetzungen werden in erster Linie vom ersten Vorsitzenden Arthur Hilberer unter geringer Zuhilfenahme von Fachkräften erstellt.

Die Requisiten werden nach einer von der Regisseurin vorgelegten Liste zusammengetragen, gefertigt oder aus dem eigenen Fundus zusammengesucht.

Kostüme werden nach entsprechender Vorlage durch die Regie mit notwendigem Bildmaterial etc. neu genäht, Funduskostüme dementsprechend geändert oder ergänzt. Einzelkostüme werden teilweise auch von befreundeten Nachbarbühnen geliehen.  Oberaufsicht über die Kostümgestaltung in Sachen Stil und Umsetzung des Gewünschten, hat Jeannette Graupe, die auch die gesamt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit leistet.

Ja und dann wird geprobt und geprobt und geprobt eigentlich das ganze Jahr über. Die Probenzeit beträgt 4 Monate unter optimalen Bedingungen. Es gibt einen zu Beginn von der Regie mit allen Beteiligten abgestimmten Probenplan, der bis hin zur Premiere alle Proben auflistet, er ist verbindlich und wird eingehalten, so klappt das zu bewältigende Pensum auch und führt zu erfolgreichen Premieren, am 14. Oktober gerade zur letzten fulminanten Premiere von „Männer“ .

Unser Theater bietet einen Ganzjahresspielbetrieb, dessen Darsteller und Darstellerinnen bestes Amateurtheater bieten, auch die Professionellen haben schon lange ein Auge auf uns geworfen…! Einzelne Ensemblemitglieder besuchen Kurse, um sich weiterzubilden und weiterzuentwickeln, das spürt der Zuschauer und anerkennt es. Er toleriert  inzwischen auch Stücke, die nicht unbedingt seinem Geschmack entsprechen, weiß um die Notwendigkeit eines abwechslungsreichen Spielplanes, freundet sich also mit Neuem an und kündigt uns deshalb nicht mehr gleich seine Treue auf! Der Erkennungswert mit „seinen“ Schauspielern ist hoch, der Zuschauer hat sich im Laufe der Jahre mit seinem Theater identifiziert, es liegt zudem bequem quasi „vor der Haustür“, es bietet unterschiedliche Genres für alle Altersklassen und in jeder Jahreszeit, Kindergartenprogramm, Jugend und Junge Erwachsenenprogramm.

Warum soll der Zuschauer gerade hier ins Theater gehen?

Weil es uns gelungen ist, dass 40-50 Leute ihr Hobby so gestalten, dass viele, viele andere daran große Freude haben und wir so das Theater im Laufe der Jahre über die Grenzen hinaus bekannt gemacht haben.  Mein Engagement ist groß, das meines Ensembles und unserer Unterstützer noch grösser, die Anerkennung und Akzeptanz der Bühne groß das sorgt für eine sehr gute Auslastung und Auszeichnungen. So durfte ich für meine deutsch französische Kulturkooperation den Badisch-Elsässischen Kulturpreis (General- und Regionalrat der Fondation Entente Franco-Allemande unter Ancien Ministre André Bord) entgegen nehmen.

Wäre das nicht einmal einen Ausflug wert? Einen Ausflug in die herrliche Ortenau mit anschließendem Theaterbesuch?

 

Herzlichen Gruß

Ihre

 

Cornelia Bitsch 

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Mo

26

Sep

2016

„Mathe kapier‘ ich nicht.“ – Von wegen!

Aus meinem pädagogischen Alltag eine wahre Geschichte, in der nur die Namen geändert wurden …

„Guten Tag, Frau Daul! Wie geht‘s?“, ertönt eine jugendlich frische Stimme aus der offen stehenden Eingangstür meiner Praxis. Erstaunt hebe ich den Blick und schaue in ein strahlendes Gesicht. Paula kommt herein. Zusammen mit ihrer Mutter sucht sie mich heute zum zweiten Mal in meiner Praxis für Praktische Pädagogik auf.

 

Ich brauche das Gespräch nicht zu eröffnen. Frau A. legt sofort los. Sie erzählt, wie überglücklich sie sei. Ihre Tochter sei schon immer ein fröhliches Mädchen gewesen. Doch sie konnte nie so richtig aus sich herausgehen, war extrem schüchtern und ängstlich. Ihr Mann und sie spürten, dass mehr in Paula steckte. Doch sie wussten nicht, wie sie ihr als Eltern helfen könnten. In der Schule lief es ja auch nicht besser. Mit Einführung der Noten in Klasse 2 begann für Paula sofort der Notendruck. – Und jetzt …

 

Persönlichkeit entfalten

 

Paula sitzt neben uns am Tisch, grinst verschmitzt und lässt die Beine baumeln. Ab und zu gibt sie sogar eigene Kommentare ab. – War da irgendetwas? Noch vor zwei Wochen versteckte sie sich hinter ihrer Mama. Mal schlüpfte sie mit dem Kopf in deren Strickjacke, mal verkroch sie sich unter deren Stuhl. Bloß nichts sehen! Am besten auch nicht gesehen werden!

 

Nach dem ersten Einzelcoaching wirkt Paula in ihrer Persönlichkeit deutlich gereift. Auch ich erlebe den Unterschied in ihrer Art zu kommunizieren und bin zutiefst beeindruckt. – Wie ist so etwas möglich?

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Mi

24

Aug

2016

Bezaubernd, leidenschaftlich, einzigartig – Mode ist ein Spiegel unserer Seele.

Seit mehr als 15 Jahren widmen wir uns mit viel Erfolg diesem Thema.

 

Um unsere Kollektion als Marke und Brand weiterzuentwickeln, haben wir uns entschlossen, auf der Premium in Düsseldorf unser exclusives Produkt den westeuropäischen Einkäufern anzubieten.

 

Berlin for fun, Düsseldorf for work

 

Wir hatten die Wahl zwischen Berlin und Düsseldorf. In der Branche gibt es ein Bonmot: Berlin for fun, Düsseldorf for work.

 

Berlin hat nach der Wiedervereinigung versucht, an die Couturezeiten anzuknüpfen.  Damals waren die berühmten Namen Uli Richter, Staebe-Seeger, Oestergard und andere. Auch unsere Offenburger Nachbarn Burda haben in Berlin viel Erfolg gehabt.

 

Neue Messen wie die Bread & Butter versuchten, sich in Berlin zu etablieren. Diese Mühen waren es nicht wert, letztlich waren die Einkäufer mehr im Taxi unterwegs um von A nach B zu kommen, statt Kollektionen sichten und Aufträge zu platzieren. In Berlin fehlt die seriöse Arbeitsatmosphäre. Einkäufer brauchen zwar Anregungen, Pep und Visionen, aber am Ende der Kette steht ein knallhartes Geschäft, was Rendite bringen muss.

 

Der Heimvorteil

 

Also entscheiden wir uns für den Messeplatz Düsseldorf. Es gibt 2 entscheidende Vorteile, die exclusive Messeplattform Premium, und 2. Der Heimvorteil (ich bin Düsseldorferin).

In Düsseldorf ordern Modeeinzelhändler den Großteil ihrer Sortimente. Der Branchenumsatz wird mit etwa 12 Milliarden Euro beziffert. In 800 Showrooms wird Chices, Tragbares aber auch Spektakuläres präsentiert.

Wir konnten sehr vielversprechende neue Kundenkontakte knüpfen, auch durch unsere Mitarbeiterin Frau Adler, die perfekt russisch spricht.

 

Königliche Kundschaft

 

Über einen Neukunden aus Maastricht, der auch an der exclusiven Place Vendome in Paris einen Showroom besitzt, freuen wir uns ganz besonders. Er kleidet unter anderem eine Schwiegertochter des Niederländischen Königshauses ein. Prinzessin Maxima besitzt schon etwas Cashmeriges von Avellana-Cashmere. Das freut uns natürlich sehr und macht uns stolz. Außerdem ist es eine wunderbare

Wertschätzung für unsere Arbeit mit unseren Italienischen Strickern, die all unsere Wünsche mit tollem Know-how umsetzen.

 

Angelika Boucher

AVELLANA-CASHMERE

Baden-Baden

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Mi

20

Jul

2016

Der Giersch (Aegopodium podagraria)

Eine kleine Kräuterkunde von Ulrike Antonia Sztatecsny

Für mich als Kräuterexpertin klingt es fast unverständlich, dass es Menschen gibt, die den Giersch nicht finden. Giersch, so steht in vielen Kräuterbüchern, ist entlang von Waldrändern, vor Gebüschen im Garten, an Zäunen, an Bach- und Flussufern, eigentlich fast überall zu finden. Bei genauerem Hinsehen allerdings gibt es tatsächlich Orte, wo er nicht wächst. Es sind die sonnigen zum Teil bodenverdichteten Stellen oder stark lehmhaltige Erden oder gar bestimmte Pflanzen, wie Bohnen (vgl. Ursula Stumpf, Unsere Heilkräuter, Kosmosverlag, 2012), die er nicht mag.

 

Und zu guter letzt, es scheint so, als wächst er nur dort oder macht Menschen dort auf sich aufmerksam, wo er gebraucht wird. Allen anderen bleibt er einfach verborgen, also ärgern Sie sich nicht, wenn Sie ihn nicht finden.

 

 

Sind Sie ein Gierschfinder?

 

Sind Sie zum Beispiel ein Mensch, der sich schnell entmutigen lässt, der sich häufig sagen hört, „ach, das schaffe ich sowieso nicht, dazu bin ich viel zu schwach, andere können das bestimmt alles besser als ich“ oder fühlen Sie sich besonders morgens beim Aufstehen ziemlich unbeweglich, fast so, als erwachen Sie aus einer Winterstarre, dann gehören Sie zum bevorzugten Kreis der Gierschfinder!

 

Ist er erst einmal da, planen Sie Ihn ein, geben Sie ihm eine Existenzberechtigung in Ihrem Garten – er wird Sie belohnen!

 

Frische, junge  Gierschblätter als Salat, oder ein Gierschwurzeltee oder als Gewürz der getrockneten Pflanze sollen den Stoffwechsel unterstützen  saure Ablagerungen zu lösen und die Gelenke wieder geschmeidig zu machen. Auch Gicht steht im Verdacht, zu fliehen, wenn sich Giersch ihr nähert.

 

Blätter und Stängel besitzen einen petersilienartigen Duft, im Jungstadium noch sehr sanft  und mit zunehmendem Alter deutlich bis intensiv. Grundsätzlich allerdings gilt, der petersilienartige Duft ist immer vorhanden, schwach oder stark, aber nie fehlend.

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Mi

22

Jun

2016

Einblicke in die Welt auf 4 Pfoten

 

Alle 2 Jahre bin ich auf der Interzoo Messe in Nürnberg als Aussteller. Das ist die weltweit größte Messe für den Heimtierbedarf. Zum 34. Mal fand sie im Mai statt und 1800 Firmen aus aller Welt stellten ihre Produkte und Neuheiten auf zum Teil kreativ gestalteten und beeindruckenden Messeständen vor. Was, um Himmels willen, könnte es auf diesem Sektor noch Neues geben? Ist nicht alles erfunden vom aromatisierten Trinkwasser für den Hamster bis zum glutenfreien Katzensnack, von der funktionalen Outdoorbekleidung für den Hund bis zur stilvollen Urne für den dahingeschiedenen Liebling?

 

Fakten, Fakten, Fakten

 

Nun, wir sprechen von einem Weltmarkt, der auf über 92 Mrd. Euro gewachsen ist. Davon entfallen auf Westeuropa fast 27 % (auf Deutschland rund 4 Mrd.), auf Nordamerika allerdings der Löwenanteil von über 44 %. In den USA gibt es übrigens auch eine eigene Weihnachtsmesse nur für Haustiere.

 

Weltweit hat das Zusammenleben mit Heimtieren zugenommen, vor allem in Indien und Russland. Wir halten in Europa insgesamt 285 Mio. Haustiere, die meisten in Russland, Deutschland, Italien und Frankreich.

 

Der Markt ist auch in Krisenzeiten noch immer wachsend, weil die Tiere in den erschlossenen Märkten genauso gewissenhaft gepflegt werden wie Kinder. Der Begriff „pet parent“ hat sich etabliert.

 

 

Ist das noch „normal“?

 

Die emotionale Bindung wird immer stärker, immer wichtiger. Wir können jetzt empört sein und kopfschüttelnd auf die Hundebesitzerin schauen, die im trendy Tragegurt ihr neckisch frisiertes Ersatzbaby spazieren trägt.

 

Doch was passiert denn da? Gehen wir mal eine Schicht tiefer und fragen uns, wie wir Menschen (Frauen sicher noch mehr als Männer) denn angelegt sind, damit diese Entwicklung überhaupt stattfinden kann.

 

Natürlich ermöglicht in erster Linie steigender Wohlstand diese Haltung. Zum zweiten ersetzt digitale Vernetzung bei vielen Menschen zunehmend echte Kontakte. Es kann aber nicht gut gehen, wenn man sich immer mehr in Scheinwelten und Schein-Freundschaften zurückzieht, weil „offline“ nun mal nicht so bunt und spannend und mühelos ist. Trotz aller „likes“ und zahlloser Follower: viele vereinsamen nur noch mehr. Man muss ja kaum noch aus dem Haus, um seinen Bedarf an Unterhaltung, Gütern aller Art, von mehr will ich hier gar nicht sprechen, zu decken.

 

Doch auf ein Tier ist immer Verlass: Dieser offline-Bereich ist einfach, übersichtlich. Die Treue meines Hundes lässt nie nach, die Katze stellt keine Fragen, das Pferd bringt mich wieder ins Gleichgewicht. Das Tier schafft echte Kontakte, zwingt uns, regelmäßig rauszugehen, spricht Emotionen an.

 

 

Von Tamagochis und einem Baseball

 

Bohren wir noch ein bisschen tiefer: Wir brauchen ein Gegenüber, wir wollen uns kümmern. Das ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Dabei unterscheidet unser Gehirn aber nicht zwischen real und virtuell.

 

Wer erinnert sich an die Tamagochis aus den späten 90ern? Ich war fassungslos, als damals eine Freundin von mir, Juristin, ca. 40 J., SOFORT nach dem Kino nach Hause musste, um ihr Tamagochi zu füttern. Es wäre sonst verhungert. Kein Scherz, ich komme bis heute nicht drüber weg. Immerhin sind wir da weitergekommen: sie könnte das heute mit ihrem Smartphone bequem von unterwegs erledigen.

 

Zurzeit sind (längst nicht mehr nur in Asien) täuschend lebensechte Babypuppen der begehrte, pflegeleichte Kinderersatz: sie sitzen im Restaurant dabei, bekommen einen Sitz im Flieger, einen Kindersitz im Auto, eigene Garderobe etc. Alles, was an Muttergefühlen da ist, wird projiziert auf diese Nachbildung aus Vinyl. Schlimm? Dann doch lieber einen kleinen süßen Welpen verwöhnen?

 

Sie haben vielleicht die geniale Robinsonade mit Tom Hanks gesehen, „Cast away – verschollen“. Um in seiner jahrelangen Einsamkeit auf der Insel nicht durchzudrehen, schafft er sich ein Gegenüber in Gestalt eines Baseballs, dem er ein Gesicht aufmalt.

 

Als der Ball („Wilson“) auf dem Meer weggeschwemmt wird, heult er Rotz und Wasser, eben wie um einen echten, verlorenen Freund. Das war der Ball in der Tat auch, er hat ihm zumindest psychisch das Leben gerettet.

 

Ich habe bei dieser Szene selbstverständlich ausgiebig mitgeheult, denn auch mein Stammhirn funktioniert genau gleich und unterscheidet nicht zwischen Realität und Fiktion, eben auch nicht zwischen Mensch, Puppe, Tier oder Ball.

 

Wenn wir uns das klarmachen, dann haben wir zumindest eine Verständnishilfe für die überzogene Hinwendung zum Tier, das unser Leben in einer überfordernden Realität einfacher, emotionaler und strukturierter macht, Lücken füllt, Bedürfnisse befriedigt. Ist schon irgendwie traurig, aber eben wahr.

 

Christine Schell

Supra-Cell GmbH

Rastatt

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